Milch nicht verramschen, bäuerliche Milchviehhaltung erhalten

Seit Beginn des Jahres 2014 hat sich der Weltmarktpreis für Milchprodukte nahezu halbiert. Aktuell liegt der Preis pro Liter Milch teilweise nur bei 15 Cent – etwa 40 Cent wären kostendeckend. Die Leidtragenden dieser Preispolitik sind die Milcherzeuger – große, aber auch kleine und mittlere. Im Jahr 2015 gaben allein in NRW 223 Milchkuhhalter ihre Betriebe auf. Um sich ein eigenes Bild von der schwierigen Lage zu machen und sich mit den Betroffenen auszutauschen, besuchen die Abgeordneten der GRÜNEN Landtagsfraktion am 24. Mai 2016 Milchviehbetriebe in ganz NRW.

Ich werde dabei am 24. Mai 2016 um 10.30 Uhr den Milchviehhaltungsbetrieb von Rütger Holsteg besuchen und den Hof besichtigen.

Milch darf nicht verramscht werden. Angesichts der miserablen Preise haben zahlreiche Betriebe im vergangenen Jahr aufgegeben. Es ist absehbar, dass weitere diese Krise nicht überleben. Gerade bäuerliche Betriebe brauchen jetzt unsere Unterstützung. Kurzfristig muss die Milcherzeugung spürbar reduziert werden, damit sich der Milchmarkt wieder stabilisiert. Dazu müssen auch die Molkereien ihren Beitrag leisten.

Langfristig muss es aber auch darum gehen, eine bessere Wertschöpfung zu erzielen. Anstatt immer mehr immer billiger zu produzieren, muss die Landwirtschaft auf Qualitätsprodukte wie z.B. Bio- oder Weidemilch setzen. Hier können Beratung und Anreize für den Umstieg helfen. Die Bundesregierung muss ihrerseits die französischen Vorschläge zur Reduzierung der produzierten Milchmenge aufgreifen und sich in einem gemeinsamen europäischen Vorgehen eindeutig dafür einsetzen.

Eine weitere Konzentration in wenigen Betrieben und einzelnen Regionen ist nicht im Sinne der Bauern und Bäuerinnen in NRW, nicht im Sinne der Umwelt und nicht im Sinne des Tierwohls.

Hintergrund:

Die EU ist mit über 160 Millionen Tonnen der mit Abstand größte Milchproduzent weltweit. In den letzten beiden Jahren wurde die Produktion um sieben Prozent oder 10 Millionen Tonnen jährlich gesteigert. Massive Preissenkungen zulasten der Erzeuger sind die Folge. Dieser Preisverfall geht auch auf das Auslaufen der Milchquote vor gut einem Jahr zurück. Die strukturellen Folgen der Milchmarktkrise für die Landwirtschaft und die Umweltfolgen für die Gesellschaft werden gravierend sein. Gegenmaßnahmen könnten beispielsweise ein tatsächlich wirksames Soforthilfeprogramm für betroffene Bäuerinnen und Bauern sowie der Aufbau von Kleinmolkereien für die direkte und regionale Vermarktung sein.

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